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Vorläufer der Apothekerkammer Hamburg war die im Jahr 1937 gegründete Apothekerkammer Nordmark, die allerdings keine demokratisch legitimierte Selbstverwaltungskörperschaft im heutigen Sinne war, sondern lediglich eine lokale Verwaltungsstelle der zentralistisch organisierten Reichsapothekerkammer. Die Geschäftsstelle der Apothekerkammer Nordmark befand sich von Anbeginn in Hamburg, Alte Rabenstraße 11a, ihr Zuständigkeitsbereich reichte jedoch über das Gebiet Hamburgs hinaus und umfasste auch Teile Holsteins und Mecklenburgs.

Bereits kurz nach Kriegsende wurde mit dem Aufbau demokratischer Strukturen begonnen: Die ersten Wahlen zu einem „Gesamtkammervorstand“, damals allerdings noch nicht auf Basis einer gesetzlichen oder satzungsmäßigen Grundlage fanden im Mai 1946 statt, der erste Kammerpräsident wurde Jo von Fisenne.

Als Gründungsdatum der Apothekerkammer Hamburg im eigentlichen Sinne wird heute die Verabschiedung des Apothekerkammergesetzes durch die Hamburgische Bürgerschaft am 28. Juli 1949 angesehen. Mit diesem Gesetzeswerk wurden erstmals die Aufgaben und Strukturen der Kammer definiert sowie die Rolle der Kammerversammlung und des Vorstandes als Entscheidungsorgane festgeschrieben.

Im Jahr 1951 übernahm Dr. Werner Klie das Amt des Präsidenten, dessen berufspolitische Aktivitäten weit über Hamburg hinaus reichten. So war Dr. Klie von 1956 bis 1964 der erste Präsident der Bundesapothekerkammer. Außerdem knüpfte er vielfältige Kontakte auf internationaler Ebene und beteiligte sich aktiv an der Gründung des Zusammenschlusses der Apotheker in der EWG (heute ZAEU).

Die Flutkatstrophe von 1962 war auch für die Hamburger Apothekerorganisationen eine große Herausforderung, erlitten doch 19 Apotheken, davon alleine 7 in Wilhelmsburg, schwerste Schäden. In einer konzertierten Aktion mit den Apothekerverbänden der Nachbarländer, der ABDA, von Banken und von pharmazeutischen Firmen gelang es mit Hilfe von Material- und Geldspenden sowie durch Bereitstellung zinsfreier Kredite innerhalb kürzester Zeit, die Schäden zu lindern und die reibungslose Arzneimittelversorgung in den betroffenen Stadtteilen wieder herzustellen.

Dr. Klie war 20 Jahre lang Präsident der Apothekerkammer. Über die gleiche Zeitspanne amtierte sein Nachfolger, Prof. Dr. Ernst-Dietrich Ahlgrimm, der erstmals 1972 zum Präsidenten gewählt wurde. Während seiner Amtszeit erfolgte die Aufnahme der Hamburger Apotheker in das gemeinsame Versorgungswerk der Apothekerkammer Niedersachsen. 1986 wurde das neue Apothekergesetz verabschiedet, mit dem die gesetzliche Grundlage für die Weiterbildung zum Fachapotheker und für den Erlass einer Weiterbildungsordnung geschaffen wurde.

Die Etablierung der Weiterbildung leitete eine Vergrößerung des Aufgabenspektrums und die Verschiebung der Aufgabenschwerpunkte der Apothekerkammer ein. Während in der Anfangsphase der Kammer die Überwachung des Berufsrechts, die Ausbildung der Apothekerpraktikanten nach damaliger Approbationsordnung und die Fortbildung der Kammerangehörigen im Vordergrund standen, rückten in den 90er Jahren unter der Präsidentschaft von Dr. Hans-Jochen Gelberg Dienstleistungen zur Qualitätssicherung der Berufsausübung, aber auch die Entwicklung von Konzepten zur Zukunftssicherung des Berufes und die Öffentlichkeitsarbeit immer mehr in den Vordergrund.

Zur Feier des 50jährigen Bestehens der Apothekerkammer Hamburg am 28. Juli 1999 griff der damalige Sprecher der Geschäftsführung der ABDA, Dr. Johannes Pieck, diese Entwicklung und die dabei immer wieder neu geforderte Austarierung der verschiedenen Kammeraufgaben in seinem Festvortrag mit dem Titel „Die Apothekerkammern im Spannungsfeld zwischen Ordnungsfunktion und Interessenwahrnehmung“ auf.

Mit einer Änderung des Apothekergesetzes im Jahre 1998 wurde die Förderung und Kontrolle von Qualitätssicherungsmaßnahmen durch die Kammer als neue Aufgabe festgeschrieben. Wenig später beschloss die Kammerversammlung eine Satzung zur Etablierung und Zertifizierung von Qualitätsmanagementsystemen in Apotheken. Im Jahr 2000 wurden die ersten apothekenspezifischen QM-Systeme durch die Kammer zertifiziert.

Im Rahmen der Bemühungen der Kammer um die Qualität der Berufsausübung spielt naturgemäß die Beratungsqualität eine besondere Rolle. Angestoßen durch Diskussionen auf Bundesebene, aber auch entsprechende Maßnahmen in anderen Bundesländern, entschloss sich der Vorstand unter der Präsidentschaft von Rainer Töbing (2004 bis 2011), die Beratungsqualität beim Erwerb von Arzneimitteln zur Selbstmedikation durch Tests mit anschließendem Feedbackgespräch zu fördern. Auf Initiative der damaligen Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG) wurden im Jahr 2009 diese Aktivitäten durch eine Selbstverpflichtung der Berufsangehörigen, ausgesprochen durch die Apothekerkammer Hamburg und den Hamburger Apothekerverein e.V., die „Hamburger Erklärung zur Beratung in Apotheken“, unterstrichen und ergänzt.

Spätestens mit der am 12. Juni 2012 in Kraft getretenen Änderung der Apothekenbetriebsordnung ist allen Beteiligten klar, dass die von den Apothekerkammern entwickelten Konzepte und Strukturen zur Sicherung der Qualität pharmazeutischer Dienstleistungen zwischenzeitlich zu allgemein gültigen Standards für eine verantwortungsvolle Berufsausübung geworden sind.

Seit Anfang 2012 steht Kai-Peter Siemsen als Präsident an der Spitze der Apothekerkammer Hamburg.